Bauer

Historische Berufe

Bauernhof an der Tafelfichte Lithographie von E. Lux
Auch Abbauer (Pächter mit kleinem Eigenbesitz) , Ackerer Anspänner (Vollbauer, Tagelöhner oder Pferdner, der die Pferde pflegt).

Für Altbauer auch Abnahmemann Abschiedsmann Altenteiler Ausgedinger Ausnehmer Austrägler Altsitzer. Mit Casarii wird in vielen Matriken der Häusler oder Feldgärtner bezeichnet. Der Creutzgärtner oder Witmutbauer bewirtschaftet das von der Pfarrei gepachtete Land (Widmut).

Baumann Beständer (Pächter), Einspänner (Vollbauer), Chalupner (im slawischen Sprachraum von Chalupa, also Hütte abgeleitet) oder auch Häusler (tschechisch Chalupnik, was einem Kleinbauer mit Haus und wenig Land entspricht), Hintersasse (Kleinbauer), Köllmer (Großbauer). Kolonist (Siedler). Kossath Kossät Kotsasse Kötter (Kleinbauer), Landwirt Tropfhäusler (Kleinstbauer).

Die Unterscheidung erfolgte oft nach der Größe des Besitzes: Vollbauern (Hofbauern, Vollerben, Vollhöfner, Vollmeier, Vollspänner) als Besitzer ganzer Höfe. Dreiviertelbauern (Dreiviertelspänner, Hüfnermeier). Halbbauern (Halbhufner, Halbmeier, Halbspänner, Huber). Viertelhofbesitzer (Eigenlehner, Köter, Kotsassen, Kossäten, Lehner) mit einem Haus und etwas Ackerland. Hintersiedler Hinterbesitzer, Hintersassen, Kleinhäusler, Tropfhäusler) oder Hofstadler beziehungsweise Katenmann mit kleinem Haus und ohne oder wenig eigenem Land.

Durch Eroberungen und Wanderungen der germanischen Stämme wurde eine völlige Umgestaltung des Grundbesitzes herbeigeführt. Es entstand ein privilegierter Stand - der Adel. Weil freie Grundeigentümer allein schutzlos der Beamtengewalt ausgesetzt waren, übergaben immenr mehr Bauern ihr Land an Adel und Kirche und wurden mit diesem Land in Erbpacht belehnt. So wurden freie Bauern zu Zinsmännern eines Bischofes, Abtes oder Adeligen. Diese Lehnsherren verpflichteten sich, ihre Lehnsträger jederzeit vor fremden Übergriffen zu schützen.

Im Mittelalter wurden die Bauern in folgende Klassen eingeteilt: Völlig freie Bauern, deren Güter mit keinerlei Abgaben belastet waren. Meier, die als persönlich freie Bauern Pachtgüter bewirtschafteten. Censiten, (auch Zensor oder Zensiten) die im vollen Besitz ihres Gutes waren, jedoch Grundzinsen entrichten mußten. Colonisten (Kolonisten) besaßen ein erbliches Nutzungsrecht, um das der Erbe bei seinem Herrn nachsuchen mußte. Das Nutzungsrecht war also nicht frei, und von der Grundherrschaft abhängig. Hofhörige bildeten mit 1 Haupthof einen Verband (Gemeinde) und wählten aus den eigenen Reihen Schöffen und Richter, um sich eigene Hofrechte zu geben. Leibeigene besaßen keinerlei Rechte und waren bis zur Aufhebung der Leibeigenschaft am 1. November 1781 völlig von der Grundherrschaft abhängig.
Kartoffelernte Stich von F. Ortlieb
An bestimmten Tagen war Fronarbeit, ohne oder nur mit geringer Entlohnung, für den Grundherren zu leisten. Unmündige Unfreie hatten eine jährliche Abgabe an den Herrn zu entrichten. Starb ein Bauer, mußte der Erbe das »Besthaupt« entrichten. So war die Lage des Bauernstandes traurig und kläglich, da auch viele Naturalabgaben und weitere Geldsteuern zu erbringen waren. Daher betätigten sich viele Bauern auch als Schmiede oder Tierärzte (bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts).

Die »Hausmarken« auf dem Lande waren mit den Häusern verbunden und sind älter als Wappen. Sie vererbten sich auch dann, wenn keine Verwandtschaft bestand. Diese Zeichen finden wir als Unterschriften in alten Dokumenten. Sie wurden von den Personen benutzt, die weder lesen noch schreiben konnten. Mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht verschwanden sie allmählich aus dem Gebrauch. Selten finden wir die alten Hauszeichen heute auf alten Grabsteinen, Ackergeräten oder Hausbalken. Blicken wir zurück auf die über viele Jahrhunderte unveränderte Arbeit des Bauernstandes, die erst im 20. Jahrhundert durch zunehmende Mechanisierung leichter geworden ist.
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer