Frauenwirt

Historische Berufe

Küche des alten Frauenhauses (Cornelis de Jonker, 1785)
Im Gegensatz zu den als Cauoi (lateinisch) Gastgeber Gasthalter (Gastwirt für Getränke und Speisen) Bierschenk Gassenwirt Kretschmer Krüger Leitgeb (Dorfwirt) Schenker Tabagist Taferner Taverner Weinschenk (nur Getränke) bezeichneten Inhabern verschiedenster Wirtschaften erzielte der Frauenwirt sein Einkommen durch die Förderung der Prostitution.

Um 1450 hatte jede größere Stadt im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation innerhalb ihrer Mauern ein Frauenhaus, daß meist für die Dauer eines Jahres an den Betreiber verpachtet wurde. Die angestellten Dirnen mußten ihre Oberbekleidung vom Pächter kaufen und durch festgelegte Kennzeichen auf ihr Gewerbe hinweisen. Neben der Vermietung des eigenen Körpers mußten sie die Gäste zum Verzehr teurer Speisen und Getränke animieren. Lohnsetzerinnen legten Preise für die angebotenen Liebesdienste fest. Am Freitag erfolgte die Auszahlung des Wochenlohnes, von dem ein großer Teil unter anderem für die Abzahlung der Arbeitskleidung und des Quartieres einbehalten wurde.

Nicht alle Prostituierten waren freiwillig tätig. Häufig dienten Frauen als Pfand für ein Darlehen, oder mußten Schulden des Ehemannes und anderer Verwandten abarbeiten.

Heute als Frauenhaus bezeichnete Einrichtungen, die von Gewalt bedrohten Frauen und Mädchen Schutz, Hilfe und Beratung gewähren, bestehen in westlichen Welt erst seit den 1970er Jahren. In den vielen davor liegenden Jahrhunderten wurde diese Aufgabe einzig von Klöstern wahrgenommen.
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer