Glockengießer

Historische Berufe

Glocken (St. Nikolai zu Greifswald)
Angelsächsische Mönche brachten im 5. Jahrhundert die Glockengießerkunst aus Nordafrika nach Europa. Im 13. Jahrhundert ging die Fertigung von Glocken dann auf weltliche Handwerker über. Gelb-, Rot-, und Zinngießer lieferten ähnliche Produkte für den Gebrauch.

Anfangs wurde das Wachsausschmelzverfahren benutzt. Dabei floß das Wachs beim Brennen aus der einteiligen und geschlossenen Lehmform. Der entstandene Hohlraum wurde mit flüssiger Bronze gefüllt.

Das noch heute übliche Mantelabhebeverfahren kam im 13. Jahrhundert in Gebrauch. Hierbei umschließt eine zweiteilige Form aus Kern und Mantel die"falsche Glocke" aus Lehm. Nach dem Brennen wird der Mantel abgehoben und die"falsche Glocke" zerschlagen. Anschließend wird der Mantel wieder aufgesetzt und der Hohlraum mit flüssiger Bronze ausgegossen.

Die Bronze bestand meist aus etwa 78% Kupfer und 22% Zinn. Die Form wurde aus Lehm gefertigt, der mit Pferdemist, Kälberhaaren, Ziegenmehl, Bienenwachs, Talg und Hanf vermischt wurde. Als Brennmaterial dienten Holz oder Holzkohle. Rezepte für den Guß und die Herstellung wurden streng gehütet, und vom Vater auf den Sohn vererbt.

Im 15. Jahrhundert kam das Geschützwesen auf, und Glocken- und Stückgießerei blieben lange Zeit als Gewerbe vereint. Auch wurden kunstvolle Bronzetüren und Grabplatten hergestellt.

Nach 3-jähriger Lehrzeit mußte der Geselle weitere 3 Jahre auf Wanderschaft gehen, bevor er Meister werden konnte. Da es lange Zeit unmöglich war, Glocken wegen ihres Gewichtes zu transportieren, erfolgten Formherstellung und Guß vor Ort. Die Auftraggeber sorgten für Unterkunft und Verpflegung, Material und Zubehör.
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer