Kaufleute

Historische Berufe

Markt in Aussig (1900)
Auch Däntler Höker Knapsack Krämer (Trödler, Hausierer) Drogist Krudener Materialist (Drogen- und Spezereihändler, Gewürzkrämer) Fragner (Krämer oder Kleinhändler) Kauwarz (Geldverleiher, Wucherer) Negociant (Unterhändler) Olitätenkrämer (Öl- und Arzneimittelhändler) Theriakhändler (Salben- und Balsamverkäufer).

Der Handel mit Gütern aller Art lag in den Händen von Kaufleuten, die sich seit dem 11. Jahrhundert zu gemeinsamen Fahrten (Hanse) und Gilden zusammenschlossen. Kaufleute saßen im Rat der Städte, kontrollierten den Handel, bestimmten maßgebend die Politik und genossen zahlreiche Vorrechte. Im 13. Jahrhundert entstand die Hanse, eine Vereinigung Hamburger und Lübecker Kaufleute. Die Hanse entwickelte eine reiche Städtekultur, vereinigte die Länder an Nord- und Ostsee zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum. Zu diesem Bund gehörten bis zu 80 deutsche Städte: Breslau, Danzig, Elbing, Greifswald, Hamburg, Krakau, Reval, Riga, Rostock, Stendal, Stralsund und Wismar. 1604 bestand die Hanse nur noch aus 14 Städten, und der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) brachte das Ende. Bremen, Lübeck und Hamburg schlossen 1630 einen engeren Bund, und bewahrten die Traditionen der Hanse.

Papiertüte und Ladenkasse (Anker, 1910)
Zum Stand der Kaufmänner bzw. Krämer zählten auch Fuhrleute, Bestätter, Druckenlader (Spediteure trockener Handelsware), Frachter, Hauderer und Henzler (Lohnfuhrleute), Karcher (Karrenfuhrmann), sowie alle möglichen Händler, Trödler und Hausierer. Die Detaillisten (Kleinhändler) hatten im Gegegensatz zu den Grossisten Großkaufleute) keinen Anspruch auf die Bezeichnung »Kaufmann« und schlossen sich meist in zunftähnlichen Innungen zusammen. Der Beitritt war erst nach Durchlaufen einer Lehr- und Gesellenzeit möglich. Handel in den Städten war ausschließlich diesen Zunftmitgliedern vorbehalten. Hausierer, die ihre Waren auf Jahrmärkten anboten und durch das Land zogen, waren dagegen nicht organisiert.

Juden lebten in Deutschland seit dem frühen Mittelalter, und gingen allen möglichen Berufen nach. Durch die Fürsten wurde ihnen Handelsfreiheit gewährt, und sie durften Grundbesitz erwerben. Im 12. Jahrhundert, zur Zeit der Kreuzzüge, stellte der Kaiser die Juden unter seinen Schutz, und verlangte dafür von ihnen immer höhere Abgaben. Diesen »Schutzjuden« wurden Ghettos (Wohnviertel) in den Städten zugewiesen. Ihre Freizügigkeit wurde begrenzt (sie waren vom städtischen Bürgerrecht, allen Ehrenämtern, Handwerken und Landbesitz ausgeschlossen), mit vielen Steuern belastet und durch sichtbare Abzeichen an der Kleidung immer wieder Verfolgung ausgesetzt. Auf Reisen waren sie nur sicher, wenn sie Schutzbriefe erkauft und Zölle entrichtet hatten. Seit dem 13. Jahrhundert blieb ihr Wirkungsbereich auf den Kleinhandel mit Vieh und Getreide sowie auf Geldwechsel und Geldverleih gegen Zins beschränkt.
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer