Nagelschmied

Historische Berufe

Zunftzeichen
Auch Buthelor Nagler.

Das Nageleisen als typisches Werkzeug ist seit der Antike bekannt. Der Nagelschmied stellte bis zu 50 verschiedene Nägel her, die seit dem 15. Jahrhundert auch verzinnt wurden (Weißnagelschmied).

Nagelschmiede werden 1309 in Judenburg (Steiermark), 1340 in Stralsund, 1378 in Wien und Reval erwähnt. Als städtische Handwerker waren Nagelschmiede den Schmieden angegliedert, auf den Dörfern aber wurde das Handwerk ohne Zunftbindung betrieben.

Als Rohstoff wurde weiches, also kohlenstoffarmes Eisen in 5 bis 8 mm starken Stangen verwendet. Zuerst wurde die Spitze ausgeschmiedet, danach an der Amboßkante ein Ansatz entsprechend der Nagellänge geschlagen und kurz entfernt ein Hieb mit dem Meißel gesetzt, ohne den Stift durchzuschlagen. Nun wurde die Spitze in das Nageleisen gesteckt, die Stange abgebrochen, der Kopf geschmiedet und der fertige Nagel herausgeschlagen.

Je nach Größe und Qualität benötigte ein Schmied 16 bis 60 Schläge, bis ein Nagel fertig war. Bei einer täglichen Arbeitszeit von 12 Stunden kamen 500 bis 4000 Nägel zusammen. Die einseitige Haltung und mechanische Belastung führte zu Haltungsschäden und Gicht.

Die Lehrzeit betrug 2 bis 3 Jahre, mit anschließendem Wanderzwang von 2 bis 4 Jahren. Als Meisterstück mußten Werkzeuge, meist Nageleisen, und in vorgeschriebener Zeit eine bestimmte Anzahl Nägel hergestellt werden. Das Aufkommen von Drahtstiftmaschinen im 19. Jahrhundert bedeutete das Ende dieses Handwerks.
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer