Papiermacher

Historische Berufe

Zunftzeichen
Auch Papierer Papiermüller Papyrer.

Aus dem 1. Jahrhundert vor Christus ist bekannt, daß in China Papier hergestellt wurde. Im 11. Jahrhundert begann die Verbreitung dieser Kunst in Europa. Die erste deutsche Papiermühle nahm 1390 ihren Betrieb in Nürnberg auf. Der aus Lumpen hergestellte Schreib- und Bedruckstoff ersetzte schnell das sehr viel teurere Pergament aus Tierhäuten. Im 15. Jahrhundert setzte sich die »weiße Kunst« mit dem Buchdruck endgültig durch.

Die Handwerksordnungen sahen eine Lehrzeit von 4 Jahren vor, die für Meistersöhne auf 3 Jahre verkürzt wurde. Der Junggeselle war noch 14 Tage auf der Mühle tätig, und wurde dann auf Wanderschaft geschickt. Dabei standen ihm Herbergsrecht und Zehrgeld zu. Es war nicht nötig, ein Meisterstück abzulegen. Meister wurde aber nur, wer eine Mühle erben, kaufen oder pachten konnte. So blieben die meisten Mühlen über Generationen in Familienbesitz.

Für die vielen Arbeitsschritte bis zum fertigen Papier waren zahlreiche Hilfskräfte nötig. Neben Lehrlingen waren Frauen und Kinder als Tagelöhner tätig: Hadernsammler, Lumpensammler, Lumpenreißer, Sortierer, Wäscher, Stampfer, Formenmacher, Büttknecht, Gautscher, Leger, Glätter, Mühlbereiter, Trockner, Leimer und Packer. Die tägliche Arbeitszeit betrug 12 bis 15 Stunden. Durch den Kontakt mit faulenden Lumpen bestand die Gefahr, an Milzbrand zu erkranken. Nässe und Zugluft führten oft rheumatische Erkrankungen herbei.

Dem Besitzer der Papiermühle wurde durch die Obrigkeit ein Lumpensammelbezirk zugewiesen. Die »Hadern« wurden an die Mühle geliefert, sortiert und von Knöpfen befreit, und durch trockenes Schaben vom ärgsten Schmutz befreit. Dann wurden die Lumpen einige Tage angefault, unter Beigabe von Kalk 24 Stunden im Stampfwerk zerkleinert. Das entstandene »Halbzeug« wurde in Zeugkästen gelegt und später zu »Ganzzeug« zerstampft, das in der »Bütte« mit Wasser aufgelöst wurde.
Briefpapier 1920
Der Schöpfer tauchte ein Drahtsieb in den Papierbrei, und schüttelte das Sieb beim Schöpfen gleichmäßig. Dann stülpte der Gautscher den Bogen aus dem Sieb auf einen Filz und preßte das restliche Wasser aus dem »Pauscht« (181 Bogen). Der Leger trennte die Papierbogen von den Filzen. Weibliche Hilfskräfte brachten das Papier auf den Trockenboden, wo es auf Leinen gehängt wurde. Danach wurde das Schreibpapier in Leim getaucht, der in der Leimküche aus aus Tierknochen und Lederresten gekocht wurde. Das Papier wurde erneut ausgepreßt und wieder getrocknet. Nun wurden im Saal die schlechten Bögen aussortiert, das Papier geglättet und beschnitten. Zum Schluß wurden die Bögen zu einem »Ries« abgezählt und verpackt. 1 Ries entspricht 500 Bogen Druckpapier oder 400 Bogen Schreibpapier nach altem Maß (später 10 Buch = 100 Hefte = 1000 Bogen).
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer