Scharfrichter

Historische Berufe

Zunftzeichen
Auch Freimann Henker Kasperer Nachrichter Schinder.

Wurde eine angeklagte Person für schuldig befunden, und der Richter hatte das Strafmaß verkündet, begann der Büttel seine Arbeit.

Wenn aber eine Leibesstrafe ausgesprochen wurde, begann der »Nachrichter« sein Werk. Er hatte die Aufgabe: Betrüger an den Pranger zu schließen, Dieben und Meineidigen eine Hand abzuhacken, Gotteslästerern die Zunge abzuschneiden, die Prügelstrafe zu vollziehen, Verbrecher auf's Rad zu flechten, zu vierteilen, der Hexerei »überführte« Personen zu ertränken oder auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen.

Der Schinder zog bei lebendigem Leib die Haut ab, der Scharfrichter führte Enthauptungen durch, und der Henker nahm Hinrichtungen mit dem Strang vor. Alle diese Strafen wurden zum Zwecke der Abschreckung öffentlich vollzogen.

Das grausame Handwerk des Nachrichters begann schon lange vor einer Verurteilung. Beim sogenannten »peinlichen Verhör« eines Angeklagten wurden durch unterschiedliche Torturen mit entsprechenden Folterwerkzeugen »Geständnisse« erpreßt. Dabei wurde nur darauf geachtet, daß der Angeklagte keine tödlichen Verletzungen erlitt. Auch wurden die Delinquenten nach der Tortur gepflegt, damit sie wieder zu Kräften kamen - um sie dann der nächsten Folterung auszusetzen. All dies erforderte neben anatomischen auch medizinische Kenntnisse.

Nachrichter haben meist nur unter ihresgleichen geheiratet und waren daher alle irgendwie miteinander verwandt. Obwohl sie in der Gemeinschaft gemieden wurden, suchte die Bevölkerung bei ihnen häufig medizinischen Rat (Kasperer). Sie stellten Wundsalben her und halfen oft bei Knochenbrüchen. Oft war ihr Amt mit dem des Wasenmeisters verbunden.

Der Nachrichter wurde vom Landesherren ernannt, bezog aber kein festes Gehalt. Er rechnete mit den Städten und Gemeinden nach Taxordnung ab, wobei jede Strafe oder Tortur entsprechend entlohnt wurde. Im Gegensatz dazu erhielt der Freimann beim Militär einen festen Sold.

Dieser Beruf erforderte eine angemessene Lehr- und Gesellenzeit. Das Meisterstück bestand in einer »kunstgerechten« Enthauptung oder Hinrichtung am Galgen. Im Falle des Mißlingens hatte der Vollstrecker nicht nur mit dem Zorn der schaulustigen Menge, sondern auch mit empfindlichen Strafen durch die Behörden zu rechnen.
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer