Schneider

Historische Berufe

Der Schneider, 1568 Holzschnitt von Jost Amman
Auch Kolzenmacher (Hosenschneider) Schrader.

Ursprünglich wurden sämtliche Kleidungsstücke der Familie durch die Hausfrau gefertigt, die ihre heranwachsenden Töchter im Nähen und Zuschneiden unterwies. Auch Mönche stellten ihre einfachen Kutten selbst her. Im 12. Jahrhundert kamen vielfältigere Formen der Kleidung auf, und es entstand der Beruf des Schneider's. Je nach Mode und individueller Größe wurde das vom Kunden in Auftrag gegebene Kleidungsstück zugeschnitten, und aus dieser Tätigkeit die Berufsbezeichnung abgeleitet.

Der Beruf wurde vorwiegend von Männern ausgeübt. Frauen und Töchter von Schneidermeistern haben oft als Näherin, Flickerin und Büglerin mitgewirkt. Das Zuschneiden der Stoffe war ihnen untersagt, ebenso den Lehrlingen und Gesellen. Weißnäherinnen als Hersteller von Bett- und Tischwäsche wurden nicht dem Schneiderhandwerk zugerechnet.

Ein Meister durfte maximal 4 Lehrlinge und Gesellen beschäftigen. Die Gesellen unternahmen keine weiten Wanderungen und suchten sich einen Meister in der näheren Umgebung, wo sie gegen Kost und Logis beschäftigt wurden. Lehr- und Gesellenzeit dauerten insgesamt 4 bis 6 Jahre, und dann konnte das Meisterstück abgelegt werden.

Schneiderofen, um 1850
Der Schneider benötigte wenig Werkzeug, um seinen Beruf auszuüben. Die Zuschneideschere finden wir seit dem 14. Jahrhundert als »Scharnierschere« im Wappen als Symbol des Handwerks. Nadeln verschiedener Größe bezog er vom Nadler, Fingerhüte vom Gürtler, und Bügeleisen vom Zeugschmied. Um den Mittelfinger der Hand zu schützen, wenn die Nadel durch den kräftigen Stoff gestoßen wurde, fand ein aufgesteckter Fingerring Verwendung. Das Gewicht der verwendeten Bügeleisen betrug 10 bis 15 Kilogramm. Es gab Volleisen, die man im Bügelofen erhitzte, und Holhleisen, die mit glühenden Bolzen oder Jolzkohle gefüllt wurden. Mit Schnüren oder Papierstreifen wurden die Kundenmaße abgenommen, und danach der Stoff auf dem Schneidertisch zugeschnitten. Nun hockte sich der Schneider im typischen Schneidersitz auf den Tisch, um die Einzelteile mit Leinen- und Wollfäden, später auch mit Zwirn aus Baumwolle oder Seide, zu vernähen.

Den Schneidern waren der Handel mit Rohstoffen und eine Vorratsproduktion untersagt. So mußten die Stoffe vom Kunden zur Verfügung gestellt, oder vom Tuchscherer bezogen werden.

Von wenigen Meistern mit guter Kundschaft abgesehen, war das »arme Schneiderlein« oft zutreffend. Auf den Land wurden einfache Arbeitshosen auch von Bauern im Nebenerwerb und Kolzenmachern hergestellt. Duch das Verlagssystem mit Konfektionsware gerieten die Schneider in die Abhängigkeit kapitalkräftiger Händler und Fabrikanten. 1860 wurde die Nähmaschine erfunden, und gedruckte Schnittmuster machen es möglich, daß die Schneiderei als Hobby ausgeführt werden kann. Maschinen für den Zuschnitt und das Nähen der Knopflöcher führten zu einer weitgehenden Verdrängung des Handwerkes. So finden wir heute nur noch wenige kleine Betriebe, die teure Maßbekleidung anfertigen, oder einfache Änderungen und Reparaturen ausführen.
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer