Seiler

Historische Berufe

Zunftzeichen
Auch Gordeler Kabldreher Kurdelmacher Reeper Reepschläger Reifer.

Reepschläger sind seit 1261 in Bremen, 1265 Hamburg und 1282 Stralsund belegt. Sie haben in Küstennähe schwere Seile für die Schiffahrt angefertigt, ähnlich der Tätigkeit des Kabeldrehers. Die Wanderpflicht für die Gesellen wurde im 18. Jahrhundert abgeschafft, beispielsweise 1738 in Bremen.

Seiler werden 1150 in Köln erwähnt, Zünfte entstanden 1426 in München und 1514 in Leipzig. Ihre Produkte finden sich als dünnes Seilwerk in der Fischerei, im Bauhandwerk und in der Landwirtschaft. Bis zum Spätmittelalter finden wir auch Bauern, die im Nebenerwerb das Handwerk des Seilers betrieben. Seile wurden aus Flachs oder Hanf gefertigt. Das Rohmaterial wurde auf dem Schwingbock behandelt, und anschließend erst durch grobe, dann immer feinere Hecheln gezogen. Dabei entstanden langfaseriger Kernhanf und mittellanger Hanf, der auf dem Seilerrad versponnen wurde. Das erfolgte beim Rückwärtsgehen des Seilers aus der Werkstatt, wobei die Reeperbahnen bis zu 300 Meter lang waren. Seilerbahnen fielen mit etwa 50 Meter Länge deutlich küprzer aus. Eine Schnur besteht aus mindestens 2 Fäden, ein Seil aus mindestens 2 Schnüren, ein Tau aus 4 Schnüren mit je 16 bis 50 Fäden. Kurze Seile bis 2 Meter Länge wurden als Stricke bezeichnet.

Nach 1860 wurde das Seilerrad durch die Spinnmaschine abgelöst. Produkte aus Hanf wurden durch Ketten und Drahtseile ersetzt, und den Seilern blieb nur noch die Herstellung kurzer Längen, da deren maschinelle Herstellung unrentabel war.
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer