Tuchscherer

Historische Berufe

Auch Schorren Truckenscherer Tuchbereiter Tucher Wandbereder.

Bereits im 13. Jahrhundert bestand das Handwerk der Tuchscherer in Städten wie Köln, Regensburg und Straßburg. Tuchscherer haben häufig mit den Schneidern eine Zunft gebildet, da sie oft für diese tätig waren. Auch war der Tuchscherenschleifer eng mit den Tuchern verbunden, obwohl er sein Handwerk im Wandern ausübte.

Die Lehrzeit betrug bis zum 14. Jahrhundert ein Jahr, wurde im 15. Jahrhundert auf 2 Jahre verdoppelt, und dauerte im 18. Jarhundert 4 Jahre. In Hamburg betrug das Mindestalter 1547 wegen der schweren Arbeit 18 Jahre. Nach der Lehre wurde eine Wanderschaft von 2 Jahren mit anschließender Gesellenprobe verlangt.

Das Meisterrecht war mit dem Erwerb des Steinrechts verbunden, es mußte ein Beitrag für den gemeinsamen Schleifstein geleistet werden.

Der Tuschscherer bezog sein Ausgangsmaterial vom Weber. Tuche wurden dann feucht in einen Rahmen gespannt. Nach dem Trocknen wurde mit dem »Distelkarden« aufgerauht (im 18. Jahrhundert kamen hierfür Rauhmaschinen in Gebrauch), und dann mit einer Spezialschere geschoren. Dies mußte je nach Güte mehrfach wiederholt werden. Danach erfolgte das Bürsten (seit dem 18. Jahrhundert durch Frisiermühlen), und im 19. Jahrhundert ersetzte die Schermaschine die Tuchschere.

Wegen der schweren Arbeit und nötigen Konzentration wurde den Tuchscherern zum Beispiel in Aachen »de clocke« gewährt (7 Minuten Pause stündlich).

Seit dem 16. Jahrhundert bezogen die Tuchbereiter neben dem Scheren nun auch das Pressen und Färben in die Fertigung ein, was den Tuchscherern versagt blieb. Das führte dazu, das Tuchscherer grobe Ware für Gewänder lieferten, und Tuchbereiter feine und bessere Tuche an Kaufleute abgeben durften.

Durch die Industrie verlor das Handwerk im 19. Jahrhundert an Bedeutung. Die Leipziger Innung wurde im Zentrum der mitteleuropäischen Tuchschererei schon 1875 aufgelöst  …
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer