Kriegsbericht

15. September 1941

Oskar Steuer jun.
Zur Erinnerung an Oskar Steuer und seine an Bord des Schulschiffes Bremse gefallenen Kameraden zeigen wir Szenen aus dem Alltag der Kriegsmarine.

Die vom Hell-Service Reuter verbreitete Reportage eines Korrespondenten der Londoner Agentur haben wir in die deutsche Spache übersetzt, und geben diesen Bericht hier wieder:

»Ich befand mich an Bord des Schiffes, das die Flagge des Admirals führte, in einer Entfernung von 5 Meilen von der norwegischen Küste, als englische Streitkräfte den deutschen Schulungskreuzer »Bremse« von 1.500 Tonnen versenkten, sowie einen Zerstörer, einen bewaffneten Schleppnetzdampfer und ein anderes kleines Begleitschff, und wenigstens zwei andere Schiffe trafen. Es gab keinen einzigen Verlust unter der Mannschaft der englischen Kriegsschiffe. Die Operation hatte zum Ziel, den deutschen Handelsweg zwischen den norwegischen und finnländischen Häfen anzugreifen, auf dem Kriegsmaterial befördert wird, das für die Deutschen bestimmt ist, die an der Front von Murmansk kämpfen.

Light Cruiser (1941)
Unabhängig von den beigebrachten Verlusten wird der Angriff zur Folge haben, daß die Deutschen gezwungen werden, viel bedeutendere Kräfte in diesen norwegischen Gewässern zu unterhalten, ohne daß sie bemerkt werden, und in derselben Nacht hatten die Schiffsmannschaften ihre Gefechtsposten besetzt. Ich befand mich auf der Kommandobrücke und hatte einen bemerkenswerten Überblick über die Schlacht. Ungefähr 150 m vor uns erschien plötzlich im Halbdunkel der arktischen Nacht ein deutscher Kreuzer. Es war zu spät, um die Richtung unserer Kanonen zu ändern, und es war unmöglich, ihn zu rammen. Der Deutsche fuhr an unserem Bug vorbei. Unsere Kanonen eröffneten das Feuer, und wir konnten eine Granate nach der anderen in die Kommandobrücke und in die Aufbauten einschlagen sehen.

Das feindliche Schiff wurde völlig überrascht, und das Feuer seiner Maschinengewehre, das dem unsrigen antwortete, war unregelmäßig und ungenau. Er begann einen Rauchschleier zu entwickeln, aber bevor es ihm gelang, sich zu verbergen, hatten wir unsere hinteren Geschütze und die der Breitseite gerichtet und trafen den Feind mittschiffs mit furchtbarer Wirkung. Er befand sich nur 150 m von uns entfernt, und wir konnten deutlich die Schäden erkennen, die das Schiff erlitten hatte. Kommandobrücke und Panzertürme waren völlig zerschmettert, und im Inneren erfolgte eine furchtbare Explosion. Das Schiff legte sich stark auf die Backbordseite und verschwand bald in Rauch.

Bremse (1941)
Aus dem Rauch auftauchend bemerkten wir die »Bremse«, die auf eines unserer Schiffe schoß. Wir eröffneten sofort das Feuer. Es scheint möglich, daß sie von einem Torpedo getroffen wurde, es erfolgte eine Explosion im Innern ihres Rumpfes. Die »Bremse« ging fast sofort unter. Wir konzentrierten unsere Aufmerksamkeit auf ein anderes feindliches Schiff, das im hinteren Teil von unserer Breitseite getroffen wurde. Es war noch manövrierfähig und befand sich zwischen unserem Schiff und einem weiteren englischen Kriegsschiff. Jedenfalls schossen wir bald auf das Schiff, zielten auf das Vorderteil und sprengten es buchstäblich aus dem Wasser heraus. Es blieb nur der rauchende Schiffsrumpf, der sich langsam umdrehte und versank. Wir eröffneten das Feuer auf den Schleppnetzdampfer, und verzeichneten sofort einen direkten Treffer. Wir fanden keine Spur mehr von dem Schleppnetzdampfer, obwohl wir ihn nicht hatten untergehen sehen. Man kann die Zerstörung dieses 600 t Schiffes als sicher annehmen.

Das Wetter klärte sich ein wenig auf, und wir konnten klar einen anderen feindlichen Zerstörer ungefähr 6.000 m von uns sehen. Dieser eröffnete das Feuer auf uns. Der Kampf wurde fortgesetzt, Nebelwolken verbargen ständig das Ziel. Bevor wir jedoch den Kontakt mit dem Feind verloren, griffen wir noch weitere Schiffe an. Es war unmöglich, die verursachten Schäden zu schätzen oder festzustellen, welche Schiffe es waren. Da unsere Aufgabe beendet war, kehrten wir in den Hafen zurück.«
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer