Magdeburg

Heizkraftwerk Rothensee 1952

Magdeburg Brückenkran Kraftwerk Rothensee « Bild Bild »
Rolf Steuer
Rolf Steuer
Oskar Steuer sen.
Oskar Steuer
Oskar August Steuer war hier nach seiner Versetzung als Leiter des Kraftwerkes tätig. Wie schon zuvor in Stralsund war er nicht gewillt, der von Kommunisten und Sozialdemokraten gegründeten »Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands« beizutreten. Da seine konsequente Weigerung zu beruflichen Nachteilen führte, verließ er 1954 die DDR.

Sein jüngster Sohn, Rolf Steuer hat hier als Schlosser, Lehrschweißer, und nach erfolgreich absolviertem Fernstudium als Ingenieur gearbeitet. Auf Grund seiner Qualifikation wurde er 1975 als leitender Ingenieur an das HKW Klingenberg in Berlin berufen.

Der erste Enkel, Olaf Steuer, gehörte von 1975 bis 1978 zur Belegschaft, er war an der Rekonstruktion von 3 Berliner Heizkraftwerken beteiligt. In leitender Funktion galt sein Engagement dem Aufbau eines neuen Bezirksamtes. Aus politischen Gründen durfte er nicht im Staatsdienst verbleiben. Nach der Wiedervereinigung hat er in Dresden und München als Planer für die Deutsche Bundespost gearbeitet.

Historisches

Magdeburg Kraftwerk Rothensee
Ansicht von Süd-West
Magdeburg Kraftwerk Rothensee
Ansicht von Nord-West
Im Jahr 1929 wurde auf Betreiben der Stadt Magdeburg der Bau eines Großkraftwerkes beschlossen, die Betreibergesellschaft Mikramag gegründet, und bereits im April 1930 der erste Spatenstich ausgeführt. Leider mußte die Anlage konserviert werden, da die Zinkhütte nicht wie geplant fertig gestellt worden ist.

Erst am 14. September 1934 erfolgte die zweite Inbetriebnahme, und die Stromlieferungen an die in unmittelbarer Nacharschaft liegenden Abnehmer, darunter Mavag, Großgaserei, Zinkhütte und Brabag (Braunkohlenbenzinfabrik) haben begonnen.

Die als Energieträger benötigte Steinkohle wurde stammte zunächst aus Oberschlesien, und gelangte auf dem Wasserweg über die Oder, den Oder-Havel-Kanal sowie den Elbe-Havel-Kanal Umwelt freundlich nach Magdeburg. Durch den Bau des Mittellandkanales zwischen Elbe und Weser ergab sich nach Fertigstellung des Schiffshebewerkes in Magdeburg-Rothensee die Möglichkeit, den Transportweg für Kohle aus dem Ruhrgebiet deutlch zu verkürzen.

Der von 8 Dampferzeugern gelieferte Heißdampf konnte ausfallsicher über zwei Sammler auf 5 Dampfturbinen verteilt werden. Die elektrische Leistung der Drehstromgeneratoren betrug 4 mal 25 MW. Eine fünfte Maschine lieferte 3 MegaWatt für den Eigenbedarf des Werkes.

Magdeburg Maschinensaal Kraftwerk Rothensee
Maschine 1 (25 MW, 6 kV, 50 Hz)
Durch die Anwendung der »Kraft-Wärme-Kopplung« waren keine Kühltürme erforderlich: Der Verkauf der nicht für die Stromerzeugung genutzten Wärme an benachbarte Großbetriebe führte zu einem hohen Gesamtwirkungsgrad, verbunden mit einem wirtschaftlichen Betrieb der Anlage  …

Nach dem Kriegsende sind 1945 auf Weisung der russischen Militärkommandantur alle Industriebetriebe in der Umgebung demontiert worden. Einzig die Großgaserei blieb erhalten. Das Kraftwerk verlor seine seine Generatorsätze 3 bis 5. Diese mußten als sogenannte Reparationsleistung nach Rußland abgegeben werden. Dabei hat das unqualifizierte Vorgehen der Beatzungsmacht eine spätere Wiederverwendung verhindert. Unser Blick zeigt 1958 die traurigen Reste des Maschinenhauses: Nur 2 Anlagen mit jeweils 25 MW haben überlebt.

In den 1960er Jahren wurde wieder eine dritte Maschine installiert: Ein Drehstromgenerator der Firma Bergmann-Borsig mit 32 MW, 6 kV, 50 Hz. Somit standen nun maximal 82 MW für die Versorgung bereit. Etwa 1975 wurde im Maschinenhaus eine Wärme-Umformerstation in Betrieb genommen, um die Versorgung des im Aufbau befindlichen Wohngebietes Magdeburg-Nord mit Fernwärme zu sichern. Alle 9 Dampferzeuger wurde für den Einsatz von Erdgas als Brennstoff umgestellt. Am 31. März 1993 ist die Einstellung des Betriebes erfolgt, das alte Werk wurde abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer